Gesundheit

Wie wirken sich die Hygienemaßnahmen in Corona-Zeiten auf andere Krankheiten aus?

Wie wirken sich die Hygienemaßnahmen in Corona-Zeiten auf andere Krankheiten aus?Wie wirken sich die Hygienemaßnahmen in Corona-Zeiten auf andere Krankheiten aus?

Grippe- und Noroviren sind bekannte und lästige Krankheitserreger. Grade in den kalten Jahreszeiten machen sie uns oft das Leben schwer. Dabei lassen sie sich durch strickte Hygiene vermeiden. Mit Beginn der Coronapandemie kamen viele strenge Hygienemaßnahmen auf uns zu, die womöglich auch Einfluss auf andere Krankheiten haben.

Maßnahmen haben Einfluss auf viele Infektionskrankheiten

Die Bilanzen für 2020 sind eindeutig: Viele Infektionskrankheiten traten mit Beginn der Hygienemaßnahmen seltener auf. Das untersuchte das Robert-Koch-Institut (RKI) und stellte fest, dass nicht nur Atemwegsinfektionen rückläufig sind, sondern auch Krankheiten wie Magen-Darm-Infekte, Hepatitis und Kinderkrankheiten.

Zwischen März und August 2020 wurden etwa 140 000 Krankheiten verzeichnet, die nichts mit Covid-19 zu tun haben, was ein Rückgang von 35 % ist.

Dabei wurden die Infektionszahlen bis 2016 miteinbezogen, wodurch auch die natürlichen Schwankungen berücksichtigt worden sind. Dabei waren Infektionen des Magen-Darm-Traktes sowie Kinder- und Atemwegserkrankungen am häufigsten betroffen.

Hygienemaßnahmen und Noroviren

Noroviren gehören zu den stark infektiösen Viren. Teilweise ist nicht einmal direkter Kontakt zum Patienten nötig, um sich selbst anzustecken. Sie lösen schwere Magen-Darm-Infekte aus, die besonders alte und geschwächte Patienten gefährden. Daher sind Noroviren in Schulen, Kindergärten, Altenheimen und Krankenhäusern besonders gefürchtet. Die Infektionen sind meldepflichtig und müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden, wodurch die Gesundheitsämter einen guten Überblick über die Infektionsraten haben.

Laut dem RKI nahmen die Infektionen allerdings mit Beginn der Coronakrise ab. Das RKI meldet, dass im Schnitt pro Woche weniger Infektionen mit dem Norovirus gemeldet worden sind als im Vorjahr. Dabei wurden etwas 64 % weniger Infektionen gemeldet.

Das legt nahe, dass sie Hygiene- und Abstandsregeln Ansteckungen vermeiden. Da besonders Schulen, Kindergärten und Krankeneinrichtungen Risikoorte sind, konnten Ansteckung durch Schließungen und besonders strenge Hygienevorschriften verhindert werden. Ebenso verhindern Abstandsregelungen und Homeoffice Ansteckungen, da mit den Hygienemaßnahmen Menschenansammlungen vermieden werden.

Coronamaßnahmen
Laut dem RKI nahmen die Infektionen mit Noroviren allerdings mit Beginn der Coronakrise ab

Hygienemaßnahmen und die Grippe

2020 endete die Grippewelle früher und fiel deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Auch bei der Grippe scheinen die Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen die Grippewelle positiv zu beeinflussen.

Auffällig ist, dass die Infektionen bei Kindern und jungen Erwachsenen ab der 10. Kalenderwoche sanken.

Die ersten Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie starteten in der 9. Kalenderwoche mit dem Verbot großer Veranstaltungen. In Woche 12 und 13 folgten dann die Schulschließungen und letztendlich die Kontaktverbote und Ausgangssperren, womit auch die Grippesaison endete. Da sich sowohl Grippe- als auch Coronaviren über Tröpfcheninfektionen verbreiten, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Hygienemaßnahmen gegen beide Viren wirken.

Hygienemaßnahmen und andere Infektionskrankheiten

Nicht nur Infektionen mit Noroviren, auch Rotavirusinfektionen wurden weniger gemeldet. Rotaviren lösen ähnlich wie Noroviren schwere Magen-Darm-Infekte aus und gehören zu den gefürchteten Krankenhauskeimen. Laut RKI gingen 2020 Infektionen mit Rotaviren um 71 % zurück. Bei Kinderkrankheiten ist ein ähnlicher Trend zu erkennen. Nur noch halb so viele Windpocken- und Keuchhusteninfektionen traten 2020 auf. Das wird vor allem auf die Schließungen von Schulen und Kindergärten zurückgeführt, da hier Kinder- und Magen-Darm-Krankheiten besonders häufig übertragen werden. Maserninfektionen sind sogar um bis zu 85 % zurückgegangen, obwohl hierbei starke Schwankungen normal sind, wodurch dieser Effekt nicht zweifelsfrei auf die Coronamaßnahmen zurückzuführen ist.

Auch Tropen- und Reisekrankheiten waren 2020 rückläufig.

Zum Beispiel gingen die Zahlen vom Denguefieber deutlich zurück. Reiseverbote und eingeschränkter Flugverkehr spielen hierbei eine große Rolle, da deutlich seltener Reisen ins Ausland stattfanden und viele Menschen gar nicht mehr in Deutschland einreisen durften.

Allerdings gibt es auch andere Entwicklungen. So traten ab März 2020 vermehrt Hirnhautentzündungen (Frühsommer-Meningoenzephalitis) auf, die durch Zecken übertragen wird. Dafür kann es zwei Ursachen geben: Zum einen gingen vermehrt Menschen in den Wald, zum anderen kann der milde Winter zu einer starken Zeckenausbreitung geführt haben. Die Kombination kann die Häufung der Hirnhautentzündung erklären.

Folgen für die Zukunft

Masken und Abstandsregeln haben sich als äußerst effektiv und alltagsfreundlich erwiesen. Inzwischen empfehlen Ärzte und Biologen, auch nach der Pandemie, zumindest im Winter und bei Erkältungen weiterhin Masken zu tragen und auf das Händeschütteln zu verzichten. Zudem hat sich Homeoffice als arbeitnehmerfreundliche Alternative erwiesen. Da durch Homeoffice weniger Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und sich weniger Mitarbeiter zum Beispiel in Großraumbüros aufhalten, können so auch in Zukunft hohe Krankheitszahlen vermieden werden.