Bereits lange im Vorfeld wurde der bislang größte Börsengang der Geschichte mit Spannung erwartet. Tech-Milliardär Elon Musk ist mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX am 12. Juni 2026 an die Börse gegangen. Sein Unternehmen ist an der US-amerikanischen Wertpapierbörse NASDAQ gelistet, wurde beim Debüt mit rund 1,75 bis 1,8 Billionen US-Dollar bewertet und ist inzwischen auch Teil des Nasdaq 100.
Gut einen Monat später zeigt sich: Der anfängliche Höhenflug ist einer deutlich nüchterneren Realität gewichen – die Aktie notiert mittlerweile wieder ungefähr auf Höhe ihres Ausgabepreises.
Inhaltsverzeichnis
Ein Rekord-Debüt mit rascher Ernüchterung
Auf den ersten Blick war der Börsengang des Raumfahrtunternehmens ein Widerspruch: Im Geschäftsjahr 2025 hatte SpaceX einen Netto-Verlust von fast fünf Milliarden US-Dollar verzeichnet, dennoch startete die Aktie an der NASDAQ deutlich über dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Am dritten Handelstag erreichte sie mit 225,64 Dollar ihr bisheriges Rekordhoch; das Tageshoch der Marktkapitalisierung lag zeitweise nach unterschiedlichen Berechnungen bei rund 2,7 bis 2,9 Billionen Dollar.
Je nach Berechnung spülte der Börsengang zwischen 75 und rund 86 Milliarden US-Dollar in die Kassen von SpaceX – mehr als das Dreifache des bisherigen Rekordhalters Saudi Aramco, der 2019 rund 29 Milliarden Dollar eingenommen hatte. Die Bewertung von rund 1,75 bis 1,8 Billionen Dollar entspricht etwa der Größenordnung des gesamten deutschen Leitindex DAX und übertrifft nach mehreren Quellen unter anderem den Facebook-Konzern Meta.
Von diesem Höhenflug ist inzwischen wenig übrig. Am 15. Juli fiel die Aktie im Tagestief erstmals seit dem Börsengang unter den Ausgabepreis, auf 132,15 Dollar, und schloss den Handelstag bei 135,27 Dollar.
Gegenüber dem Rekordhoch bedeutet das einen Rückgang von rund 41 Prozent. An der Lang & Schwarz Exchange notiert das Papier am 16. Juli bei rund 118 Euro – ein Minus von rund 15 Prozent gegenüber dem Allzeithoch vom 16. Juni. Wer am ersten Handelstag zum Höchstkurs eingestiegen ist, sitzt damit derzeit auf spürbaren Verlusten.
Nicht für alle Marktteilnehmer war die anfängliche Reaktion positiv: Einige Wettbewerber aus dem Raumfahrtsektor wurden abverkauft, weil Anleger vermutlich Gewinne mitnahmen und in SpaceX umschichteten. Virgin Galactic und Rocket Lab gehörten laut Berichten zu den Verlierern.

– stock.adobe.com
Rote Zahlen trotz Rekordbewertung
Hinter der Euphorie steckt weiterhin eine nüchterne Bilanz. Im Geschäftsjahr 2025 verzeichnete SpaceX einen Verlust von ca. 4,94 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden US-Dollar. Auch im ersten Quartal 2026 schrieb das Unternehmen rote Zahlen: ein Minus von 4,28 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von ca. 4,7 Milliarden Dollar. Verantwortlich dafür sind vor allem die Entwicklungskosten der Starship-Rakete, in die SpaceX bislang mehr als 15 Milliarden US-Dollar investiert hat.
Der Satelliten-Internetdienst Starlink bleibt der einzige profitable Pfeiler des Unternehmens. Mit mehr als zehn Millionen Abonnenten in 164 Ländern erzielte SpaceX damit 2025 einen Umsatz von rund elf Milliarden US-Dollar. Die Raketensparte bildet zwar die technische Grundlage für dieses Satellitengeschäft, verdient aber selbst kein eigenständiges Geld.
Seit der Fusion mit der ebenfalls Elon Musk gehörenden KI-Firma xAI im Februar 2026 gehören auch die Plattform X und das KI-Modell Grok zum Konzernverbund. Die Ausgaben für KI übersteigen bei SpaceX inzwischen die Investitionen in den Raketenbau deutlich. Nach Einschätzung der Research-Chefin eines Hedgefonds (Energy Group Capital) würde eine Summe-der-Einzelteile-Bewertung eher bei rund 600 Milliarden US-Dollar liegen – nur etwa einem Drittel des aktuellen Börsenwerts.

– stock.adobe.com
Analysten uneins: Kursziele weit über dem Kurs, aber auch Warnsignale
Der jüngste Kursrutsch hat die Wall-Street-Analysten bisher kaum von ihrem Optimismus abgebracht. In der Woche des 13. Juli hoben JPMorgan (Kursziel 225 Dollar), Needham (250 Dollar) und Evercore ISI (Erstcoverage bei 230 Dollar) ihre Einschätzungen an – alle drei deutlich über dem aktuellen Kursniveau von rund 135 Dollar. Needham begründet die Anhebung mit dem neu vorgestellten KI-Modell Grok 4.5, das SpaceX künftig für Coding- und Agenten-Aufgaben einsetzen will. Die Deutsche Bank geht noch weiter und sieht SpaceX durch die Skalierung der Starship-Flüge und stärkere vertikale Integration bis Anfang der 2030er-Jahre auf Augenhöhe mit den Kosten klassischer Rechenzentren.
Zurückhaltender positioniert sich Piper Sandler, das die Coverage mit einem neutralen Rating und einem Kursziel von 156 Dollar aufnimmt. Im Vordergrund stehen dabei weniger Zweifel am langfristigen Narrativ als vielmehr kurzfristige, unternehmensspezifische Belastungsfaktoren – insbesondere die anstehenden Lockup-Auflösungen:
Nach dem ersten Quartalsbericht könnten rund 911,5 Millionen Aktien für bestimmte berechtigte Aktionärsgruppen handelbar werden.
Weitere 455,8 Millionen Aktien könnten hinzukommen, sofern der Kurs an mindestens fünf von zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen über 175,50 Dollar bleibt. In der Summe könnte der frei handelbare Anteil bis zum 8. Dezember auf rund 40 Prozent steigen, während ein größerer Teil der Aktien bis Mitte 2027 gebunden bleibt.
Nach dem jüngsten Rückgang wird SpaceX von Marktbeobachtern mit dem rund 49-Fachen des erwarteten Umsatzes bewertet – ein Vielfaches, das die Aktie empfindlich für Enttäuschungen macht, sobald zusätzliches Angebot auf den Markt kommt.
Starship-Testflug und erster Quartalsbericht als nächste Prüfsteine
Noch am heutigen Donnerstag, dem 16. Juli, steht der 13. Testflug der Starship-Rakete an, frühestens um 18:45 Uhr Ostküstenzeit vom Startkomplex Starbase in Texas. Es ist der zweite Flug der neuen V3-Konfiguration, die künftig Starlink- und KI-Satelliten ins All bringen und perspektivisch Astronauten zum Mond befördern soll. An Bord sind diesmal 20 Starlink-V3-Satelliten zu Testzwecken, zudem soll erstmals ein Oberstufentriebwerk im Flug erneut gezündet werden. Die FAA hat den Flug bereits freigegeben.
Der eigentliche Belastungstest für die Aktie dürfte jedoch erst mit dem ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang kommen, der für den 6. August erwartet wird. Bislang zahlen Anleger vor allem für die Aussicht auf künftige Erfolge – nicht für bereits belegte Gewinne. Ob sich das mit den ersten Zahlen als börsennotiertes Unternehmen ändert, wird sich erst zeigen, sobald der Bericht vorliegt.

– stock.adobe.com
Führungs- und Kontrollfunktion von Elon Musk
Nach Unternehmensangaben hält Elon Musk einen bedeutenden stimmberechtigten Anteil an SpaceX. Er ist gleichzeitig CEO und Vorstandsvorsitzender und vereint damit Führungs- und Kontrollfunktion.
Für Investoren bedeutet das, dass sie kaum Mitspracherechte haben.
Zwar gibt es erfahrene Köpfe in Führungspositionen, doch da jedes Unternehmen von Elon Musk strategisch eine One-Man-Show ist, haben sie im Zweifel wenig zu sagen. Das erhöht das Anlagerisiko zusätzlich.
Elon Musk als weltweit erster Billionär
Mit dem Börsengang von SpaceX ist Elon Musk der erste Mensch weltweit, der über ein Billionen-Vermögen verfügt. Sein Anteil von 40 Prozent an SpaceX war zum Kurs vom 12. Juni 2026 mehr als 800 Milliarden US-Dollar wert; zusammen mit seinen Tesla-Anteilen und -Optionen kommt er auf mehr als eine Billion Dollar. Billionär ist Musk damit allerdings nur auf dem Papier, da es sich um Aktienvermögen handelt, das Kursschwankungen unterliegt.

– stock.adobe.com
Ehrgeizige Pläne – und praktische Herausforderungen
Im umfangreichen Börsenprospekt beschreibt SpaceX Unternehmensziele, die weit über das Geschäftliche hinausgehen: Städte auf dem Mars, interplanetares Leben, ein globales Breitbandnetz, KI-Rechenzentren im Weltall sowie Regierungsaufträge von NASA oder Pentagon sollen die verlustbringende Raketensparte langfristig ausgleichen. Beim Verhältnis von Zielbewertung zu aktuellem Umsatz kommt SpaceX auf einen Faktor von rund 90 bis 100 – bei anderen reifen Technologiekonzernen liegt dieser Faktor typischerweise nur bei 15 bis 20.
SpaceX wird damit nicht nach klassischen Kennzahlen bewertet, sondern ist im Kern eine Wette auf eine Vision.
Praktisch hängt der gesamte Expansionsplan an der wiederverwendbaren Schwerlastrakete Starship: Nur wenn sie dauerhaft zuverlässig fliegt, tragen die übrigen Pläne. Hinzu kommt die Herausforderung, Tausende Satelliten und Datenzentren im All über Jahre stabil zu betreiben, sowie ungelöste technische Fragen wie das Wiederauftanken im All auf dem Weg zum Mars.
Einordnung: SpaceX im IPO-Jahr 2026
Der SpaceX-Börsengang prägt die IPO-Bilanz des Jahres 2026 wie kein anderer Deal: Das weltweite Emissionsvolumen kletterte im ersten Halbjahr auf rund 186,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von etwa 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr – getragen fast ausschließlich durch diesen einen Großbörsengang, während die Zahl der Börsengänge insgesamt zurückging. Damit setzte SpaceX auch für die internationale Wirtschaft und die Kapitalmärkte ein außergewöhnliches Ausrufezeichen.
Der bisherige Kursverlauf liefert dabei eine Lehre, die über SpaceX hinausweist: Ausgerechnet der unauffälligste Börsengang des Jahres, der österreichische Kupfer- und Leiterhersteller ASTA Energy Solutions, hat sich seit seiner Erstnotiz im Januar mehr als verdoppelt – getragen von Langfristverträgen mit Siemens Energy und GE Vernova sowie starkem Gewinnwachstum. Auch der große internationale Vergleichsfall, der Rüstungs-Börsengang der tschechischen Czechoslovak Group (CSG), verlor nach einem fulminanten Start rund 40 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis. Ein starker erster Handelstag, so das Fazit der Marktbeobachter, sagt damit wenig über die mittelfristige Entwicklung aus – Auftragslage, Margen und die Struktur des jeweiligen Deals erweisen sich oft als aussagekräftiger als das mediale Echo rund um einen Börsengang.








