Die heißen Tage und die damit verbundene Trockenheit im Sommer 2026 hat zu Niedrigwasser am Rhein geführt. Teilweise hat der Rhein bereits neue Tiefststände erreicht. Der Wasserstand in einer der meistbefahrenen Binnenwasserstraßen der Welt könnte noch weiter sinken. Experten zufolge könnte sich diese Situation negativ auf die deutsche Wirtschaftsleistung auswirken.
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Die aktuelle Lage der großen deutschen Flüsse
An vielen Stellen führen die deutschen Flüsse laut Auskunft der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) Niedrigwasser. Regenschauer führen nur zu einem kurzzeitigen Anstieg der Wasserstände. Die Tendenz zeigt, dass die Wasserstände weiterhin sinken.
Das Informationssystem Niwis wies am 31. Juli 2026 extreme Tiefstände an mehreren Messstellen aus:
- Elbe mit 16 Prozent
- Rhein mit 44 Prozent
- Donau mit 78 Prozent
Am 1. August 2026 wurde in Köln mit 67 Zentimetern der niedrigste Pegelstand seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Das sind zwei Zentimeter weniger als im Oktober 2018. Historische Tiefststände wurden am 2. August 2026 mit 150 Zentimetern in Duisburg-Ruhrort und mit 22 Zentimetern in Düsseldorf ermittelt.
Experten sprechen davon, dass Niedrigwasserphasen nicht ungewöhnlich sind, doch sie treten im Normalfall erst im Spätsommer und Herbst auf. Der Klimawandel führt laut BfG langfristig zu intensiveren Niedrigwasserereignissen, da das Wasser stärker verdunstet.

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Auswirkungen des Niedrigwassers auf die Güterschifffahrt
Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), spricht davon, dass es kein Fahrverbot bei Niedrigwasser gibt. Jeder Schiffsführer entscheidet anders als bei Hochwasser selbst, wann sich eine Fahrt nicht mehr lohnt.
Solange es sicher und physikalisch möglich ist, fahren die Schiffe. Da die Schiffe jedoch nicht mehr voll beladen werden können, werden mehr Schiffe eingesetzt.
Oft können die Schiffe nur noch zu 15 bis 20 Prozent beladen werden. Der Transport wird dadurch verteuert, was sich auch auf die Preise für die Waren und auf die Verbraucher auswirkt.
Die sinkenden Pegelstände führen dazu, dass Fahrten weniger wirtschaftlich sind, wie Moritz Axt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein betont. Steffen Bauer, Chef der Binnenschifffahrtsgesellschaft HGK Shipping, sagt, dass die Güterschifffahrt auf einigen Abschnitten des Rheins zeitweise eingeschränkt wird, wenn der August ähnlich warm und trocken wird.
Der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen ist durch das Rhein-Niedrigwasser bereits unter Druck geraten. Wie das Unternehmen mitteilte, kann der Binnenschifftransport bislang nur durch zusätzliche Niedrigwasser-Schiffe weitgehend aufrechterhalten werden. Diese speziellen Schiffe können auch bei niedrigem Wasser fahren. Transporte werden teilweise auf die Schiene und auf Lastwagen verlagert.
Von den Gütern am BASF-Stammwerk in Ludwigshafen werden 40 Prozent per Schiff transportiert. Niedrigwasser führte dort bereits in der Vergangenheit zu Produktionsstopps.

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Situation durch gesperrte Ausweichroute verschärft
Analysten der Deutsche Bank Research gehen davon aus, dass das Problem durch eine monatelange Sperrung der rechtsrheinischen Bahnstrecke verschärft wird. Bis zum 12. Dezember 2026 ist diese wichtige Ausweichroute aufgrund von Sanierungsarbeiten für den Güterverkehr nicht befahrbar.
Die Bahn kann die Kapazitäten der Binnenschifffahrt auch unabhängig von dieser Sperrung nur begrenzt ersetzen.
Das Niedrigwasser, die Sperrung und der zunehmende Druck auf Straße und Schiene führen zu Engpässen in den Lieferketten.
Auswirkungen der Niedrigwasser-Situation auf die Wirtschaft
Experten zufolge sind vom Niedrigwasser insbesondere Branchen wie die Chemie, Mineralöl und Stahl betroffen, die auf große Mengen von Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen sind. Der Ausfall des Rheintransport kann nur kurzfristig und begrenzt kompensiert werden.
Gemeinsam warnen drei Verbände der Recycling- und Rohstoffwirtschaft vor der Gefährdung der Versorgung der Stahlindustrie. Auf einzelnen Verbindungen verdrei- oder vervierfachen sich die Frachtkosten. Zusätzliche Kosten entstehen durch Umplanungen und Verzögerungen.
Der Direktor der Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, Stefan Kooths, rechnet damit, dass das Niedrigwasser das Bruttoinlandsprodukt von Juli bis September um 0,1 bis 0,2 Prozent dämpfen könne. Der Wertschöpfungsausfall im dritten Quartal 2026 wird grob auf ein bis zwei Milliarden Euro geschätzt.

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Höhere Preise für Verbraucher möglich
Thilo Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) geht davon aus, dass Verbraucher mit höheren Preisen rechnen müssen. Das betrifft insbesondere Baustoffe und Energieprodukte.
Wenn die Wasserstände des Rheins an wichtigen Stellen noch weiter sinken, könnte es zu Engpässen in der Spritversorgung kommen, wie Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG, die Lage einschätzt.
Insbesondere im Süden Deutschlands könnten die Spritpreise ansteigen.
Kreuzfahrtanbieter müssen Touren schon absagen oder umplanen. Die Bonner Rederei Phoenix Reisen hat ihren Kunden bereits die Umbuchung von Reisen über Donau, Rhein und Mosel angeboten.
Nicko Cruises mit Sitz in Stuttgart sowie der Rostocker Anbieter A-Rosa haben bereits mehrere Donau-Reisen abgesagt. Das wirkt sich auch auf die Situation von Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel entlang der Flüsse aus.
Fahrrinnenvertiefung im Rhein geplant
Der Bund ist für den Ausbau der Bundeswasserstraßen verantwortlich. Michael Ebling (SPD), Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz, fordert die notwendigen Maßnahmen vom Bund.
Die Vertiefung der Fahrrinne im Rhein ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 als vorrangiges Projekt vorgesehen. Von Budenheim bei Mainz bis St. Goar soll die Fahrrinne im Mittelrhein um 20 Zentimeter vertieft werden. So könnten pro Schiff bis zu 200 Tonnen mehr Fracht transportiert werden.
Ein Termin für die Fahrrinnenvertiefung steht noch nicht fest. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt rechnet nicht vor 2033 damit.








