NaturReisen

Brodelnde Vulkane: Eine Gefahr für Touristen?

VulkanBrodelnde Vulkane: Eine Gefahr für Touristen? - Foto: © Mateusz #429575945 - stock.adobe.com

Vulkane üben auf viele Menschen magische Anziehungskraft aus. Die Naturerscheinungen sind Gefährdung und Sehenswürdigkeit in einem. Kaum ein anderes Naturphänomen macht so eindrücklich spürbar, wie lebendig unser Planet unter der Oberfläche tatsächlich ist: Glühende Lava, aufsteigende Aschewolken und brodelnde Krater ziehen jedes Jahr Millionen Reisende an – von geführten Wanderungen bis zum Blick aus sicherer Entfernung auf einen aktiven Krater.
In Europa befinden sich ebenfalls einige Vulkane, von denen Gefahren ausgehen. Wo genau es aktuell brodelt, wie gefährlich die Lage wirklich ist und worauf Reisende achten sollten, zeigt dieser Überblick.

Viele aktive Vulkane weltweit

Auf der ganzen Welt gibt es rund 1.500 aktive Vulkane. Einige dieser Feuerberge befinden sich auch in Europa.

Neben einem größeren Vulkan in Island gleicht ein Supervulkan in Italien einer brodelnden Zeitbombe.

Beim bislang letzten Ausbruch der Kanareninsel, dem Cumbre-Vieja-Ausbruch von September bis Dezember 2021, spuckte der Vulkan auf La Palma 85 Tage lang Lava und Asche aus. Vor diesen Gefahren sind auch einige beliebte Ferienregionen nicht gefeit.

Viele aktive Vulkane weltweit
Auf der ganzen Welt gibt es rund 1.500 aktive Vulkane – Foto: © Tony Northrup #16813038 – stock.adobe.com

Verheerende Folgen

Für viele Touristen liegt in Besichtigungen von Vulkanen der besondere Reiz dieser Urlaubsregionen verborgen. Die Folgen können verheerend sein. Schließlich sind die Feuerberge Attraktion und Bedrohung in einem.
Einerseits erwartet Weltenbummler ein unvergleichliches Naturerlebnis. Andererseits können die feuerspeienden Berge ganze Ortschaften zerstören, wenn sich Lava und Asche über die Landschaften legen.

Touristen besichtigen Vulkan
Für viele Touristen liegt in Besichtigungen von Vulkanen der besondere Reiz dieser Urlaubsregionen verborgen – Foto: © Thorir #434622510 – stock.adobe.com

Geführte Touren rund um Vulkane

Einige Vulkane sind für Besucher problemlos zugänglich. An diesen Orten bieten Veranstalter geführte Touren, Tagesausflüge oder Busreisen an. Rund um einige Vulkane wurden sogar Parks errichtet, die Eintritt kosten. Drohen Ausbrüche, müssen Besucher bewusst ferngehalten werden.

Aktuellstes Beispiel ist die anhaltende vulkanische Unruhe auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel: Seit 2021 kam es dort zu zwölf Ausbrüchen, der letzte fand vom 16. Juli bis zum 5. August 2025 im Sundhnúkur-Kratergebiet statt.

Aktuell gibt es keinen aktiven Ausbruch, doch unter dem Gebiet Svartsengi haben sich seither rund 26,6 Millionen Kubikmeter Magma (Stand Mai 2026) neu angesammelt, sodass ein weiterer Ausbruch jederzeit möglich bleibt. Reisende sind davon bislang kaum betroffen: Flughafen Keflavík, Ring Road und die Blaue Lagune sind seit dem Ende des letzten Ausbruchs regulär zugänglich. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte im Juni 2026 ein Erdbebenschwarm mit rund 400 Beben binnen weniger Stunden am Vulkan Bárðarbunga im Zentrum der Insel, der die Luftfahrt-Warnstufe auf Gelb setzte – sichtbare vulkanische Aktivität gab es dabei bislang nicht.

Vulkanausbruch: Wie viel Zeit bleibt bis zur Flucht?

Häufig sind Erdbeben wie eine Art Vorwarnung für einen Vulkanausbruch. Betroffene Gebiete sowie umliegende Regionen sind unter stetiger Kontrolle von Vulkanologen. Die Experten reagieren sofort, falls ein Vulkanausbruch bevorsteht.
Dabei stützen sich Vulkanologen auf mehrere Frühwarn-Methoden gleichzeitig: Erdbebenschwärme zeigen an, dass sich Magma unterirdisch einen Weg nach oben bahnt. Per GPS und Satellitenmessung (InSAR) lässt sich zudem eine Bodenhebung von wenigen Millimetern feststellen, wenn sich Magma in einer Kammer unter dem Vulkan ansammelt. Steigt zusätzlich der Ausstoß von Vulkangasen wie Schwefeldioxid oder Kohlendioxid an, deutet das auf aufsteigendes, gasreiches Magma hin. Auf Basis dieser Daten vergeben Wetter- und Vulkanbehörden weltweit Alarmstufen – meist von Grün oder Gelb (erhöhte Wachsamkeit) über Orange bis Rot (unmittelbarer oder laufender Ausbruch) –, anhand derer Reisende und Anwohner die aktuelle Gefahrenlage einschätzen können.

Allerdings ist es nur schwer kalkulierbar, ob die Ausbrüche unmittelbar, in einigen Tagen oder gar erst in einigen Monaten drohen. Zudem ist es nicht ausgeschlossen, dass die Vulkane trotz erster Anzeichen ruhen und gar kein Ausbruch folgt.
Dennoch sind Betroffene stets gut beraten, jegliche Warnung ernstzunehmen und auf eingerichtete Sperrzonen oder Empfehlung zur Evakuierung zu reagieren.

Vulkanausbruch
Experten reagieren sofort, falls ein Vulkanausbruch bevorsteht – Foto: © Fotos 593 #47715649 – stock.adobe.com

Drohende Gefahren in Europa

Etwa 450 aktive Vulkane befinden sich im pazifischen Feuerring, davon allein 127 Feuerberge in Indonesien. Der Merapi auf Java ist seit Dezember 2020 durchgehend aktiv und stößt bis heute regelmäßig pyroklastische Ströme aus, die sich mit bis zu zwei Kilometern Reichweite die Flanken hinabwälzen – Gas-, Lava- und Gesteinslawinen, die alles auf ihrem Weg zerstören können. Ähnliche Risiken lauern in Europa.

Denn neben der anhaltenden Aktivität auf Island brodelt bei Neapel weiterhin der Supervulkan Campi Flegrei (Phlegräische Felder).

Dort wird seit 14 Jahren die Alarmstufe Gelb gehalten, und die Erdbebenschwärme reißen nicht ab: Im Mai 2026 erschütterte ein Beben der Stärke 4,4 das Gebiet, im Juni 2026 folgten weitere Schwärme mit bis zu 85 Beben pro Woche. Der Boden hebt sich dort kontinuierlich um rund 10 Millimeter im Monat. Einen akuten Ausbruch schließen Vulkanologen zwar weiterhin nicht aus, halten ihn nach aktuellem Kenntnisstand aber nicht für unmittelbar bevorstehend. Relativ sicher ist es auf europäischen Inseln wie Ibiza, Mallorca oder Sardinien.

Die gefährlichsten Vulkane der Welt für Reisende

Manche Vulkane sind nicht wegen ihrer Sprengkraft gefährlich, sondern wegen ihrer Nachbarschaft. Der Popocatépetl bei Mexiko-Stadt ist seit Dezember 1994 nahezu ununterbrochen aktiv und stößt bis heute regelmäßig Aschewolken aus – die Alarmstufe steht dauerhaft auf „Gelb, Phase 2“, eine 12-Kilometer-Sperrzone um den Krater bleibt bestehen. In seiner Reichweite leben Millionen Menschen im Großraum Mexiko-Stadt und Puebla.
Auch der Vesuv bei Neapel gilt Vulkanologen als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt: Nicht weil er besonders aktiv wäre – sein letzter Ausbruch liegt bereits 1944 zurück –, sondern weil rund 700.000 Menschen allein in der offiziellen Gefahrenzone („Rote Zone“) leben, die im Ernstfall evakuiert werden müsste – Tendenz durch illegale Bebauung eher steigend. In Guatemala wiederum ist der Fuego bei der Touristenstadt Antigua einer der aktivsten Vulkane Mittelamerikas: Fast täglich kommt es zu kleineren Explosionen, im Juni 2018 forderte ein plötzlicher Ausbruch mit pyroklastischen Strömen über 100 Todesopfer. Trotzdem gilt die beliebte Wanderung zum benachbarten Acatenango, von der aus man den Fuego nachts glühen sieht, weiterhin als sicher – solange man sich an die ausgewiesenen Zonen hält.

Popocatépetl bei Mexiko-Stadt
Der Popocatépetl bei Mexiko-Stadt ist seit Dezember 1994 nahezu ununterbrochen aktiv und stößt bis heute regelmäßig Aschewolken aus – Foto: © HectorAíza #241947326
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Wie funktioniert verantwortungsvoller Vulkantourismus?

Verantwortungsvoller Vulkantourismus spielt eine wichtige Rolle. Deshalb sind Reisende gut beraten, sich vor einem Aufenthalt an dem gewünschten Reiseziele detailliert über die Bedingungen vor Ort zu informieren. Eine hilfreiche Informationsquelle ist das Auswärtige Amt, das in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen der jeweiligen Länder auf mögliche Risiken durch Vulkanismus verweist. Oftmals ist es auch ausschlaggebend, in welcher Region der Urlaub geplant ist.

Die größten Gefahren von Vulkantourismus

Das Risiko ist vergleichsweise gering, dass ein Vulkanausbruch bei Touristen bleibende Schäden anrichtet. Die größte Gefahr geht von der Höhe einiger Vulkane aus, die Ausflügler oftmals schlichtweg unterschätzen. Ein Beispiel ist der Teide auf Teneriffa, der sich inmitten eines Hochgebirges befindet.

Außerhalb Europas ist Vulkan-Trekking vor allem in Süd- und Mittelamerika beliebt.

Die Anden sind von mehreren Vulkanen gesäumt, die höher als 5.000 oder gar 6.000 Meter sind. Chile vereint beispielsweise etwa 80 aktive Vulkane.
In Ecuador befindet sich unter anderem der Cotopaxi, der zuletzt 2015/2016 ausbrach. Beim damaligen Vulkanausbruch flog dessen Asche bis zu 12 Kilometer hoch bis zur nahegelegenen Hauptstadt Quito, der dortige Flughafen musste zeitweise schließen.

Häufige Fragen zu aktuellen Vulkanausbrüchen

Gibt es aktuell einen Vulkanausbruch auf Island?

Nein, Stand Mai 2026 ist derzeit kein Vulkan auf Island aktiv. Der letzte Ausbruch endete am 5. August 2025. Die Region wird aber weiter engmaschig überwacht, da sich erneut Magma ansammelt.

Was war das Erdbeben am Vulkan Bárðarbunga im Juni 2026?

Am 13./14. Juni 2026 registrierten Messstationen rund 400 Erdbeben in wenigen Stunden am isländischen Vulkan Bárðarbunga, das stärkste mit einer Magnitude von 4,8. Die isländische Wetterbehörde erhöhte die Luftfahrt-Warnstufe vorübergehend auf Gelb, sichtbare vulkanische Aktivität gab es aber nicht. Experten sahen darin kein Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch.

Könnte der Supervulkan Campi Flegrei bei Neapel bald ausbrechen?

Nach aktuellem Stand der italienischen Vulkanbehörde INGV ist trotz anhaltender Erdbebenschwärme und Bodenhebung kein unmittelbarer Ausbruch absehbar, die Alarmstufe steht seit 14 Jahren auf Gelb.