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Schlafrhythmus: Nachteulen leben ungesünder als Morgenmenschen

Nachteulen leben ungesünder als MorgenmenschenSchlafrhythmus: Nachteulen leben ungesünder als Morgenmenschen - Foto: © kanashkin #182801129 - stock.adobe.com

Knapp jeder zehnte Mensch ist eine Nachteule. Einer Studie zufolge leben diese Menschen ungesünder als die Morgenmenschen und leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Frauen sind häufiger als Männer davon betroffen.
Allerdings können Nachtmenschen selbst etwas tun, um ihr Risiko zu verringern, und müssen nicht unbedingt früher zu Bett gehen.

Studie mit 300.000 gesunden Erwachsenen

Ein Forscherteam des Bostoner Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School Boston wertete Daten von 300.000 gesunden Erwachsenen im Alter von 39 bis 74 Jahren zum Schlafrhythmus aus. Diese Daten stammen aus der UK Biobank. Die Ergebnisse der Studie wurden im „Journal of the American Heart Association“ veröffentlicht.

Die UK Biobank in Großbritannien erhebt regelmäßig im Rahmen großer Stichproben verschiedene Gesundheitsdaten.

Ein für die Herz-Kreislauf-Gesundheit berechneter Score berücksichtigt Gewicht, Blutzucker, Nikotinkonsum, Ernährung, Schlafgewohnheiten und Bewegung.

Laut der Langzeitstudie haben Nachtmenschen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das hängt oft mit den Gewohnheiten zusammen, sodass diese Menschen ihrem Risiko entgegenwirken können, wenn sie ihre Gewohnheiten ändern.

Nachtmenschen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Laut der Langzeitstudie haben Nachtmenschen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Foto: © DoneDeal/peopleimages.com #850605934
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Höherer Anteil an Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Nachtmenschen

Von den Teilnehmern der Studie bezeichneten sich acht Prozent als definitive Abendmenschen. Sie gehen erst sehr spät zu Bett, manchmal erst um 2 Uhr nachts. Im Tagesverlauf haben diese Menschen einen späten Höhepunkt ihrer Aktivitäten.

Als definitive Morgenmenschen beschrieben sich 24 Prozent der Probanden. Der Rest der Studienteilnehmer ordnete sich dazwischen ein. Diese Menschen gelten als mittlerer Chronotyp. Der Schlaf-Wach-Rhythmus beziehungsweise die innere Uhr wird als Chronotyp bezeichnet.

Das Team der Forscher stellte fest, dass der Anteil derjenigen, die von Herz-Kreislauf-Problemen betroffen sind, bei den Nachtmenschen am höchsten ist. Er lag sogar um 79 Prozent höher als bei der Gruppe des mittleren Chronotyps.

Über einen Beobachtungszeitraum von ungefähr 14 Jahren wurde bei den Nachtmenschen ein um 16 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall verzeichnet als bei den Menschen der mittleren Gruppe. Der Zusammenhang zwischen schlechter Herz-Kreislauf-Gesundheit und spätem Chronotyp war bei Frauen stärker als bei Männern ausgeprägt.

Höherer Anteil an Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Nachtmenschen
Höherer Anteil an Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Nachtmenschen – Foto: © we.bond.creations #1801146490
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Ungesunde Angewohnheiten vieler Nachtmenschen

Wie die Studie zeigt, ist nicht der Chronotyp allein entscheidend für eine schlechtere Herz-Kreislauf-Gesundheit. Der negative gesundheitliche Effekt wird vielmehr durch die Gewohnheiten beeinflusst. Menschen mit einem späten Rhythmus haben oft schlechte Gewohnheiten, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken.

Die innere Uhr der Abendmenschen stimmt oft nicht mit dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus oder dem typischen Tagesablauf überein. Ihr Lifestyle ist häufiger geprägt von Rauchen, unregelmäßigem Schlaf oder ungesunder Ernährung als bei Morgenmenschen. Diese Gewohnheiten können die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinträchtigen.

Morgenmenschen stehen am Morgen gut gelaunt auf und starten mit Elan in den Tag. Der frühe Start in den Tag ist für Nachteulen dagegen eine Qual. Wenn der Wecker klingelt, will der Körper noch schlafen. Diesen Zustand vergleichen Experten mit einem permanenten Jetlag. Für Abendmenschen hält dieser Zustand das gesamte Jahr über an.

Das bedeutet für Nachtmenschen Dauerstress. Er führt dazu, dass sie ungesunde Gewohnheiten entwickeln. Auch Bewegungsmangel ist ein häufiges Problem von Nachtmenschen.

Das Geschlecht scheint eine Rolle bei der Risikoabschätzung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Chronotyp zu spielen.

Die Gründe, warum Frauen, die zu den Abendmenschen zählen, ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, müssen noch weiter erforscht werden.

Extreme Frühaufsteher haben der Studie zufolge das geringste Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Risiko für eine schlechte Herz-Kreislauf-Gesundheit ist bei ihnen um fünf Prozent niedriger als beim Durchschnitt.

Veränderbare Faktoren bei den Nachteulen

Nachteulen haben es oft selbst in der Hand, ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. Sie können ihre Gewohnheiten ändern, indem sie nicht rauchen, sich gesünder ernähren und mehr bewegen. Es gibt auch verschiedene Behandlungsansätze und Therapien, die individuell anpassbar sind.