Gesundheit

Bandscheibenvorfall – Was ist das?

BandscheibenvorfallBandscheibenvorfall – Was ist das?

Wer unter einem Bandscheibenvorfall leidet, leidet unter einer Volkskrankheit. Ganze 180 000 Menschen werden jährlich in Deutschland mit einem Bandscheibenvorfall diagnostiziert. Fast die Hälfte von ihnen muss sich zur Behandlung einer Operation unterziehen. Von diesem Rückenproblem kann so gut wie jeder betroffen sein. Am ehesten aber trifft es Menschen, die überwiegend sitzen und zum Ausgleich keinen Sport treiben, oder aber Menschen, die beispielsweise in ihrem Beruf schwere Arbeit verrichten müssen und dabei schwere Lasten tragen.
Dennoch bleiben auch junge und sportlich Menschen nicht zwingend davon verschont. Im Durchschnitt trifft es aber Personen im Alter von 30 und 50 Jahren.

Diese Bereiche können betroffen sein

Grundsätzlich kann ein Bandscheibenvorfall im gesamten Wirbelsäulen-Bereich auftreten.

Am häufigsten betroffen ist jedoch die Lendenwirbelsäule, denn dort lastet der meiste Druck.

An zweiter Stelle steht die Halswirbelsäule. In der Brustwirbelsäule tritt ein Bandscheibenvorfall hingegen eher selten auf.

Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich
Grundsätzlich kann ein Bandscheibenvorfall im gesamten Wirbelsäulen-Bereich auftreten.

Was ist das überhaupt – ein Bandscheibenvorfall?

Unsere Bandscheiben funktionieren wie Stoßdämpfer und sorgen für reichlich Beweglichkeit unserer Wirbelsäule. Sie befinden sich zwischen unseren Wirbeln und sind mit einem weichen Gallertkern ausgestattet, welcher als eine Art Puffer die Wirbelkörper voreinander schützt.
Es kann jedoch passieren, dass diese Gallertkerne verrutschen und sodann auf das Nachbargewebe drücken. In der Folge werden Nervenwurzeln am Spinalkanal verklemmt, was zu Schmerzen führt. Man spricht dann von einem Bandscheibenvorfall, weil der Kern der Bandscheibe quasi „nach vorne gefallen“ ist.

Bandscheiben
Unsere Bandscheiben funktionieren wie Stoßdämpfer und sorgen für reichlich Beweglichkeit unserer Wirbelsäule

Welche Symptome spüren Betroffene?

Typisch für einen Bandscheibenvorfall sind punktuelle Schmerzen in der Wirbelsäule, Kribbeln in Beinen und Armen, welches teilweise verbunden ist mit Taubheitsgefühlen sowie im schlimmsten Falle sogar Lähmungen in den Gliedmaßen.

Doch diese Symptome müssen nicht unbedingt auftreten.

Es kann durchaus vorkommen, dass ein Bandscheibenvorfall erst bei einer Routine-Untersuchung aufgedeckt wird. Nur wenn die verrutschte Bandscheibe eine Nervenwurzel belastet oder auf das Rückenmark oder auf die in der Lendenwirbelsäule befindlichen Nervenfaserbündel drückt, werden auch schmerzhafte Symptome ausgelöst.

So erfolgt die Diagnose

Wer unter Rückenschmerzen leidet, sollte sich in erster Instanz an seinen Hausarzt wenden. Dieser kann in der Regel bereits eine erste Einschätzung treffen und bei dem Verdacht auf einen vorliegenden Bandscheibenvorfall den Betroffenen zur weiterführenden Behandlung an den entsprechenden Facharzt wie zum Beispiel einen Orthopäden, Neurologen oder Neurochirurgen überweisen. Dieser führt dann verschiedene Untersuchungen durch.
Ein bildgebendes Verfahren wie beispielsweise ein MRT ist nicht in allen Fällen notwendig, denn oftmals reicht bereits die Anamnese und die körperliche sowie neurologische Untersuchung durch einen Fachmann aus.

Diagnose Bandscheibenvorfall
Wer unter Rückenschmerzen leidet, sollte sich in erster Instanz an seinen Hausarzt wenden

Unter die neurologischen und körperlichen Untersuchungen fallen zum Beispiel Klopf-, Tast- und Druckuntersuchungen, mit welchen der Facharzt die Schmerzpunkte ausfindig macht. Ebenfalls getestet wird die Beweglichkeit der Wirbelsäule, die Muskelkraft in Armen und Beinen sowie die Reflexe und das Gefühlsempfinden. Anhand der Untersuchungsergebnisse kann ein Facharzt bereits feststellen, ob ein Bandscheibenfall vorliegt oder nicht und in welchem Bereich der Wirbelsäule er sich befindet. Entsprechend muss dann nämlich die weitere Behandlung erfolgen.

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

Die Art der Behandlung hängt von den Symptomen des Patienten ab. In den meisten Fällen ist eine Operation gar nicht notwendig, sodass eine Physiotherapie oder das Ruhigstellen gepaart mit ausgiebiger Bettruhe bereits vollkommen ausreichend sind. Bei Bedarf wird die Behandlung mit Medikamenten abgerundet, darunter hauptsächlich schmerzlindernde und entzündungshemmende Schmerzmittel.

In schwerwiegenderen Fällen, zum Beispiel bei Druck auf das Rückenmark, Lähmungen oder Beeinträchtigungen der Blasen- und Enddarmfunktionen, ist eine Operation unumgänglich.

Sollte die konservative Therapieform der Physiotherapie keine Erfolge zeigen, ist eine Operation ebenfalls überlegenswert. Für gewöhnlich erfolgen die Operationen zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls heutzutage mit mikrochirurgischen Verfahren. Dadurch wird das Risiko der Narbenbildung erheblich verringert. In manchen Fällen kommen aber auch minimal-invasive Verfahren in Betracht.

Welche Ursachen hat ein Bandscheibenvorfall und wie lässt sich vorbeugen?

Häufig ist eine alters- sowie belastungsbedingte Degeneration vom Bindegewebe, welches die Bandscheibe umgibt, die Ursache des Problems. Doch auch ein erheblicher Mangel an Bewegung und Übergewicht können Bandscheibenvorfälle begünstigen. Da meistens zusätzlich nur wenig Bauch- und Rückenmuskulatur vorhanden ist, hat der Körper gegen Instabilität anzukämpfen, wodurch eine Fehlbelastung der Bandscheiben gefördert wird. Manchmal können es aber auch einfach falsche, ruckartige Bewegungen sein, die einen Bandscheibenvorfall auslösen.
Gleichermaßen kann eine Sportart die Wirbelsäule derart erschüttern (beispielsweise beim Reiten) oder verdrehen (beim Tennis), dass dies die Bandscheiben belastet.

Ursachen Bandscheibenvorfall
Häufig ist eine alters- sowie belastungsbedingte Degeneration vom Bindegewebe, welches die Bandscheibe umgibt, die Ursache des Problems

Glücklicherweise lässt sich der Bandscheibenvorfall mit einigen Maßnahmen vorbeugen. So sollte zum einen Übergewicht vermieden werden, um den Rücken keiner unnötigen Belastung auszusetzen. Gleichzeitig sollte ausreichend Sport betrieben werden, um den gesamten Körper, besonders aber den Rumpf zu stärken und stabilisieren. Auch Entspannungstechniken eignen sich für die Stärkung von Rumpf und Rücken sehr gut. Ein starker Rumpf entlastet die Wirbelsäule immens.
Für Personen, die auf der Arbeit einem erhöhten Risiko für Rückenbeschwerden ausgesetzt sind, sollte besonders auf einen rückenfreundlichen Arbeitsplatz wert gelegt werden.

Das Anheben oder Tragen von schweren Gegenständen sollte nie mit gestreckten Beinen oder gebeugter Wirbelsäule erfolgen. Stattdessen sollte das Gewicht aus den Beinen heraus angehoben werden. Zudem sollte man die Wirbelsäule nicht entgegen der Last anwinkeln.

Beim Schlafen ist darauf zu achten, dass die Wirbelsäule stabil liegt und nicht abknickt. Das kann durch einen entsprechenden Härtegrad und eine qualitativ hochwertige Matratze erreicht werden. Wer sich an diese Punkte hält, beugt einem Bandscheibenvorfall bereits sehr gut vor.