Arbeitsunfähigkeit und Krankheiten sind insbesondere in der kalten Jahreszeit wichtige Themen in der Arbeitswelt. Viele Arbeitnehmer fürchten den Jobverlust, wenn sie krankheitsbedingt ausfallen. Die Schwelle für die Arbeitsunfähigkeit ist jedoch individuell. Es geht auch darum, die Kollegen nicht anzustecken.
Geringe Hemmschwelle bei der telefonischen Krankschreibung
Die telefonische Krankschreibung setzt für viele Arbeitnehmer die Hemmschwelle herab. Ein Anruf in der Arztpraxis genügt, um ein Attest für den Arbeitgeber zu erhalten. Eine Umfrage des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) von 2024, die im Auftrag der Betriebskrankenkasse BKK ZF & Partner durchgeführt wurde, ergab, dass von gut 1.000 Befragten 66 Prozent der Meinung sind, dass viele Arbeitnehmer die telefonische Krankschreibung ausnutzen.
Von den Befragten gaben jedoch auch 68 Prozent an, dass sie schon einmal trotz Krankheit gearbeitet haben. Der Grund dafür war, dass sie nicht zum Arzt gehen wollten.
Für das Gesundheitssystem hat die telefonische Krankschreibung Vorteile. Betroffene müssen nach einer telefonischen Krankschreibung zumeist keine Videosprechstunde oder Sprechstunde vor Ort nutzen. Arztpraxen werden dadurch entlastet.

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Individuell unterschiedliche Schwelle für Arbeitsunfähigkeit
Bei den Arbeitnehmern ist das Thema Arbeitsunfähigkeit individuell. Der Vorstand der BKK ZF & Partner, Ralf Hirmke, erklärte 2024, dass viele Arbeitnehmer häufig unter leichten Kopfschmerzen leiden, aber bei der Arbeit nicht weiter beeinträchtigt sind. Andere Arbeitnehmer sind bei Kopfschmerzen arbeitsunfähig.
Ähnlich sieht es bei Erkältungen aus. Einige Arbeitnehmer können nicht arbeiten und müssen im Bett bleiben, während andere trotz Erkältung arbeiten. Allerdings sieht Ralf Hirmke darin auch das Problem des klassischen Präsentismus. Gehen Arbeitnehmer krank zur Arbeit, hat das oft negative Konsequenzen.
Arbeitnehmer haben häufig ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Kollegen, wenn sie bei Krankheit nicht zur Arbeit erscheinen. Oft fürchten sie auch den Jobverlust. Präsentismus hat aber auch negative Seiten:
- geringere Produktivität
- höheres Risiko für Fehler und Unfallgefahr
- Gefahr der Ansteckung der Kollegen
- Kostenfaktor für das Unternehmen durch schlechte Produktivität
- Gefahr einer längeren Krankschreibung oder Langzeitarbeitslosigkeit, wenn eine Krankheit verschleppt wird

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Bei Krankheit die richtige Entscheidung treffen
Die Entscheidung, bei Krankheit zu arbeiten oder nicht, fällt vielen Arbeitnehmern schwer. Beschäftigte sollten überlegen, was für sie selbst, den Arbeitgeber und die Kollegen am besten ist. Sie sollten sich über ihre Verantwortung bewusst sein.
Arbeitnehmer sollten sich fragen, ob sie mit ihrer Erkrankung jemanden anstecken können.
Auch die Frage, ob sie aufgrund ihrer Krankheit Fehler bei der Arbeit machen könnten, ist relevant. Ebenso kommt es darauf an, ob die Gefahr besteht, eine Krankheit zu verschleppen. Die Entscheidung, zur Arbeit zu erscheinen oder nicht, wird leichter, wenn Arbeitnehmer diese Fragen ehrlich beantworten.
Bei Verdacht auf Krankheit richtig reagieren
Erscheinen Kollegen zur Arbeit, trotzdem sie offensichtlich krank sind, kommt es darauf an, sie darauf anzusprechen. Wer zur betroffenen Person einen guten Zugang hat, sollte das Gespräch suchen.
Sinnvoll sind auch Fragen nach den Symptomen. Sie können helfen, gemeinsam mit dem kranken Kollegen eine Entscheidung zu treffen. Bei einem weniger vertrauensvollen Verhältnis können Arbeitnehmer den Kollegen dazu ermutigen, mit dem Vorgesetzten zu sprechen.
Auch dann, wenn Kollegen sich häufig krankmelden, obwohl sie nicht ernsthaft erkrankt sind, kommt es darauf an, das Gespräch zu suchen. Bei einem guten Verhältnis kann ein klärendes Gespräch ohne Vorwürfe erfolgen. Hilfreich kann auch der Ausdruck von Freude sein, wenn die Person am Arbeitsplatz anwesend ist.
Fallen viele Kollegen krankheitsbedingt aus oder erscheinen sie angeschlagen zur Arbeit, ist eine Teambesprechung sinnvoll. Im Team kann offen besprochen werden, wie mit Krankheiten umgegangen werden sollte.








