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Warum gibt es in Deutschland so viele Störche?

Störche in DeutschlandWarum gibt es in Deutschland so viele Störche? - Foto: © rudiernst #621791530 - stock.adobe.com

In Deutschland sind wieder mehr Störche anzutreffen. Die Natur bietet ein größeres Nahrungsangebot, sodass sie nicht so weit fliegen müssen. Einige von ihnen verbringen den Winter nicht in wärmeren Regionen, sondern bleiben in Deutschland. Der Bestand wächst seit einigen Jahren beständig.

Wachsender Bestand an Weißstörchen seit einigen Jahren

Laut NABU wurden in Deutschland im Jahr 2004 noch knapp 4.500 Brutpaare verzeichnet. Diese Zahl hat sich auf mehr als 14.4000 Brutpaare im Jahr 2025 stark vergrößert. Das ist die höchste Zahl laut Statistik seit 1934. Am stärksten sind die Bestände in Bayern angestiegen.

In den 1980er Jahren gab es dort nur ungefähr 60 Brutpaare. Inzwischen sind es mehr als 1.200.

Die Zahl der Störche ist vor allem im Westen Deutschlands deutlich gestiegen. Kolonien mit 50 Nestern werden teilweise gebildet.

Storch Brutpaar
Laut NABU wurden in Deutschland im Jahr 2004 noch knapp 4.500 Brutpaare verzeichnet – Foto: © Ina Meer Sommer #216691688
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Verändertes Zugverhalten als Hauptgrund für diese Entwicklung

Der Hauptgrund für die stark gestiegene Zahl an Storchen-Brutpaaren ist das veränderte Zugverhalten der Störche. In der Vergangenheit sind die Störche aus dem Westen Deutschlands nach Westafrika zum Überwintern geflogen. Sie verbrachten den Winter in der Sahel-Zone.

In den 1970er und 1980er Jahren herrschte in der Sahel-Zone eine große Dürre. Es hatte kaum geregnet, was zu ungünstigen Bedingungen für die Überwinterung führte. Die Population der Störche ging in dieser Zeit stark zurück, da viele in der Sahel-Zone verendeten und nicht aus den Winterquartieren zurückkehrten.

Den Störchen drohen in Afrika weitere Gefahren. Adler und Leoparden jagen die Vögel. Nicht allen Störchen gelingt der Flug über das Meer bis nach Gibraltar.

Verändertes Zugverhalten der Störche
Der Hauptgrund für die stark gestiegene Zahl an Storchen-Brutpaaren ist das veränderte Zugverhalten der Störche – Foto: © Michael #437236803
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Zweiteilung Deutschlands beim Zugverhalten der Störche

Beim Zugverhalten der Störche ist Deutschland zweigeteilt. Die Störche aus Westdeutschland ziehen zumeist in westliche Richtung. Immer häufiger fliegen sie nicht bis nach Afrika, sondern überwintern in Portugal, Spanien oder Frankreich.

Es kommt auf das Nahrungsangebot an. Wärme hat eine untergeordnete Bedeutung. In Spanien finden die Störche Krebse in Reisfeldern, doch ist auch auf den Mülldeponien ein gutes Futterangebot vorhanden.

Weißstörche, die in Ostdeutschland brüten, ziehen in die östliche Sahel-Zone und von dort mitunter bis nach Südafrika. Die Zahl der Störche in Ostdeutschland ist nicht signifikant gestiegen.

Westziehende Störche breiten sich inzwischen auch in Richtung Osten aus. Sie kommen von Nordrhein-Westfalen nach Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt.

Der Zugweg der Störche ist nicht oder nur bedingt angeboren.

Bereits zwei Wochen vor ihren Eltern ziehen die Jungvögel ab. Sie treffen auf Störche, die bereits zuvor gezogen sind. Diesen Störchen folgen die Jungvögel nach Südwesten oder Südosten.

Störche vertragen Regen nicht gut

Die Trockenheit in der Sahel-Zone führte zu ungünstigen Bedingungen für die Störche. Die Vögel vertragen jedoch auch andauernde Regenfälle nicht gut, da das Gefieder durchnässt wird und sie schlechter fliegen können.

Das ist ein Problem für die Elterntiere, die ihre Jungtiere schlechter mit Nahrung versorgen können. Die Population kann sich aufgrund andauernder Regenperioden um 60 bis 80 Prozent reduzieren. Dieser Rückgang ist jedoch nur auf bestimmte Gebiete beschränkt. In anderen Gebieten wird er wieder ausgeglichen.

Eine große Anzahl an Brutpaaren in einem Gebiet kann zu Kämpfen unter den Tieren führen. Die Störche können Eier ihrer Artgenossen zertreten oder sogar die Jungvögel aus dem Nest werfen, damit sie den Nistplatz übernehmen können. In Deutschland sind jedoch genügend Nistplätze auf Dächern oder Schornsteinen vorhanden. Die Störche können im Notfall auch auf Bäume ausweichen.

Störche vertragen Regen nicht gut
Die Trockenheit in der Sahel-Zone führte zu ungünstigen Bedingungen für die Störche – Foto: © porojnicu #40136889
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Weißstörche als Nutznießer der Landschaftsveränderung durch den Menschen

Einer Studie zufolge sind Weißstörche Nutznießer der Landschaftsveränderung, die durch den Menschen beeinflusst wurden. Große landwirtschaftliche Flächen und intensive Rodungen führen zu guten Bedingungen für die Störche.

Gegenüber anderen Arten haben Weißstörche einen guten Ruf beim Menschen und werden nicht aktiv gejagt.

Menschen bewundern die Weißstörche und ermöglichen ihnen, sich neue Lebensräume zu erschließen.

Bedingungen für das Überwintern von Störchen in Deutschland

Forscher und Naturschutzorganisationen stellten in den letzten Jahren fest, dass einige Weißstörche auch den Winter in Deutschland verbringen und nicht in wärmere Regionen ziehen. Sie nehmen die Auswirkungen der Klimakrise als einen der Gründe für dieses Verhalten an.

Für den Flug in den Süden war bislang das fehlende Nahrungsangebot in Deutschland entscheidend. Mit der Kälte kamen die großen Vögel hingegen gut klar, da sie die Wärme besser als kleinere Vögel speichern können. Im Zuge des Klimawandels finden die Störche in Deutschland mehr Mäuse und Würmer vor.

Bleiben die Störche in Deutschland, so hat das den Vorteil, dass sie sich den kräftezehrenden Zug sparen. Wird es wärmer, sind sie schneller als ihre Artgenossen wieder in ihren Brutgebieten, um sich die besten Neststandorte zu sichern.