Zum Bestäuben von Obst und Gemüse sind Wildbienen genauso wichtig wie Honigbienen. Ein Insektenhotel ist nicht für alle der zahlreichen Wildbienenarten geeignet. Die meisten Arten dieser nützlichen Insekten brüten am Boden.
Ein Sandarium ist eine sinnvolle Nisthilfe und kann im Garten, auf der Terrasse und auf dem Balkon angelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
Warum ist eine Nisthilfe für Wildbienen sinnvoll?
In Deutschland sind ungefähr 600 Arten von Wildbienen beheimatet. Laut der Roten Liste sind 31 Arten vom Aussterben bedroht. Weitere 197 Arten gelten als gefährdet. Auf der Vorwarnliste stehen 42 Arten. Den Wildbienen mangelt es an Nahrungspflanzen und geeigneten Brutquartieren.
Ein Insektenhotel ist nicht für alle Wildbienenarten als Nisthilfe geeignet, da viele Wildbienen Bodenbrüter sind. Sie benötigen zum Nisten lückige Bodenflächen. Gut geeignet sind Böschungen, Lehmwände oder Magerrasen. Die intensive Landwirtschaft und Gärten verfügen nicht über genug geeignete Nistplätze für die Wildbienen.
Zum Bestäuben von Obst und Gemüse sind Wildbienen unerlässlich, da sie ungefähr die Hälfte bis zu zwei Drittel an Bestäubungsarbeit leisten. Sie sind wichtig für den Obstbau, aber auch für Gemüse wie Tomaten oder Paprika.
Wildbienen fliegen auch bei niedrigen Temperaturen und transportieren Pollen und Nektar.
Die nützlichen Insekten leisten einen wichtigen Beitrag zu landwirtschaftlichen Erträgen. Wer den Bodenbrütern Nisthilfen bereitstellt, trägt zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. Bestimmte Pflanzenarten würde es ohne Wildbienen nicht geben.

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Was ist ein Sandarium?
Wildbienen, die am Boden nisten, benötigen frei zugängliche Flächen. Die Weibchen graben Niströhren in den Boden, die über mehrere Brutzellen verfügen. Sie legen ihre Eier und Pollen darin ab und verschließen die Niströhren. So sind die Bienenlarven geschützt und können sich bis zum Schlupf im Folgejahr entwickeln.
Abhängig von der jeweiligen Art stellen die Wildbienen unterschiedliche Ansprüche an die Beschaffenheit des Bodens. Sandbienen, Frühlings-Seidenbienen, Hosenbienen, Pförtner-Schmalbienen und Efeu-Seidenbienen bevorzugen sandige Oberflächen.
Ein Sandarium ist eine sandige Bodenstelle, die künstlich angelegt wird. Wildbienen können diese Nisthilfe nutzen und darin ihre Bruthöhlen graben.

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Geeigneter Sand für ein Sandarium
Der Bienenbau darf nicht zusammenfallen. Daher eignet sich nicht jeder Sand für ein Sandarium. Spielplatz-Sand ist zu fein, da es sich um gewaschenen Flusssand handelt. Die Niströhren brechen schnell wieder ein.
Am besten eignet sich grober Sand, der ungewaschen ist und eine unterschiedliche Körnung aufweist.
Im Fachhandel und in einschlägigen Onlineshops ist Wildbienensand erhältlich. Auch Sand aus dem Steinbruch ist geeignet.
Bester Zeitpunkt zum Anlegen eines Sandariums
Ein Sandarium sollte in der Zeit zwischen Oktober und Februar angelegt werden. Es ist dann bereits fertig, wenn die Wildbienen im Frühjahr ihre Nistplätze anlegen. Einige Wildbienenarten wie die Dunkelfransige Hosenbiene legen noch im Sommere ihre Nistplätze an.
Bienen lieben die Sonne. Das Sandarium sollte daher an einem sonnigen Standort angelegt werden. Die Fläche sollte mindestens 40 x 40 Zentimeter groß sein.
Wer in seinem Garten bereits stellen mit offenem, sandigem Boden hat, der nur spärlich bewachsen ist, benötigt zumeist kein Sandarium. Es ist sinnvoll, nachzuschauen, ob sich dort bereits Nisteingänge von Wildbienen befinden.

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Anlegen eines Sandariums
Für ein Sandarium wird auf einer Fläche von mindestens 40 x 40 Zentimetern eine Mulde mit einer Tiefe von mindestens 50 Zentimetern ausgehoben. So haben die Wildbienen für den Bau ihrer Niströhren genug Platz.
Die Mulde wird schichtweise mit Sand befüllt. Die einzelnen Schichten werden festgetreten. Der Sand wird zu einem Hügel aufgehäufelt. Alternativ dazu kann eine Schräge angelegt werden. So kann das Regenwasser leichter ablaufen. Mit einer Schaufel wird der Sand festgeklopft. Um Staunässe zu vermeiden, kann eine Drainageschicht aus grobem Kies eingebracht werden.
Der Platz rund um das Sandarium wird mit Totholz, alten Ästen und Wurzeln ausgelegt. Die Wildbienen benötigen dieses Holz, um es abzunagen und ihre Bruthöhlen damit zu verschließen.
Das Sandarium kann locker mit Rosenschnitt oder Brombeerranken bedeckt werden, damit es nicht zur Katzentoilette wird.
Für Balkon oder Terrasse kann ein Balkonkasten oder Kübel mit einer Höhe von 50 Zentimetern und einer Länge von ungefähr 80 Zentimetern genutzt werden. Er benötigt genügend Löcher im Boden für den Wasserabfluss. Zusätzlich kann eine fünf bis zehn Zentimeter hohe Schicht Kies für die Drainage eingefüllt werden. Mit Wildbienensand wird aufgefüllt. Dieses Sandarium bekommt einen sonnigen Platz. Am Rand werden Totholzstücke platziert.
Wildbienen in ein Sandarium locken
Wenn das Sandarium angelegt ist, kommt es darauf an, Wildbienen anzulocken. Sie benötigen Futterpflanzen in der Nähe. Das Sandarium selbst sollte nur spärlich bepflanzt werden. In der Nähe sollten jedoch geeignete Bienen-Futterpflanzen vorhanden sein.
Am besten eignen sich mediterrane Kräuter wie Salbei, Lavendel, Oregano, Rosmarin oder Zitronenthymian. Sie können gleichzeitig als Küchenkräuter verwendet werden. Gut geeignet sind auch trockenverträgliche Stauden und Sukkulenten. Gute Futterpflanzen für Wildbienen sind Johanniskraut, verschiedene Nelkenarten, Glockenblumenarten und Moschusmalve. Im Idealfall ist ein Nahrungsangebot für die Bienen vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst gesichert.
Das Sandarium selbst darf nicht zuwuchern. Beikräuter werden entfernt. Neuer Sand sollte nicht aufgeschüttet werden, da die Bienen dann nicht schlüpfen können. Ist das Sandarium zugewuchert oder erodiert, sollte ein neues angelegt werden.








